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| Datum: 17.06.09 | 22:57 Uhr
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Kortison
Bei Kortison handelt es sich um ein Stereoidhormon, das in der Nebennierenrinde des Menschen produziert wird. Seit ca. 40 Jahren ist es jedoch möglich, Kortison oder kortison-ähnliche Substanzen künstlich herzustellen. Dieses synthetische Kortison ist unumstritten in seiner entzündungshemmenden Wirkung, gerade nach Operationen oder akuten Entzündungen der Haut wie Abszessen, bei denen es sich um kurzzeitige oder einmalige, auch hoch dosierte Anwendungen handelt, ein gutes und unverzichtbares Medikament.
Für die Langzeittherapie bei Neurodermits ist es jedoch – wie sich in der Praxis vieler Neurodermitiker zeigt – nicht geeignet. Gängige kortisonhaltige Salben sind nur über einen eher geringen Zeitraum anzuwenden. Für diejenigen, die eine dauerhafte Linderung erzielen möchten, sind Kortisonpräparate nicht die Lösung. Es findet innerhalb kurzer Zeit eine Gewöhnung der Haut statt.
Wird die Salbe auf die Neurodermitis-Haut aufgetragen, verschwinden die Symptome bereits nach zwei bis drei Tagen. Die Haut aber gewöhnt sich an diese Kortisonzufuhr recht schnell und verlangt bereits bei einer längeren Verwendung als drei Tage wieder nach dem “heilenden” Stoff. Es entwickelt sich alles schnell zum Teufelskreis, aus dem zu entrinnen es wirklich sehr schwierig ist.
Durch die dauerhafte Anwendung von Kortison wird die Haut dünner. Kratzt man nun diese verdünnte Haut, wird sie schneller verletzt als Haut, die nicht mit Kortison behandelt wird. Infolge dessen wird man wieder häufiger Kortison verwenden, und so fort. Auch wird jeder feststellen, dass die Zeiträume, in denen diese Salben helfen bis zur nächsten Anwendung immer kürzer werden bzw. dass wenn man sie täglich nimmt sie trotzdem irgendwann nicht mehr richtig wirken. Dann heißt es: Ein stärkeres Präparat muss her!
Bei akuten Neurodermitis-Schüben mit extremen Hautzuständen im chronischen Fall, wenn man sich gar nicht mehr anders zu helfen weiß, kann man mal zur Notbremse greifen und zwei Tage ein stärkeres Kortison auf die ärgsten Stellen auftragen, die dann auch rasch besser werden. Wichtig ist, sie wirklich nicht länger als diese zwei Tage anzuwenden, denn bereits am dritten Tag setzt die Gewöhnung ein und damit auch ein Entzug, der meistens hinterher Verschlechterung bedeutet.
Wichtig ist in dieser Phase, die Haut stark mit Feuchtigkeit und etwas Fett zu unterstützen und zu versuchen, diese kurzzeitige “Heilung” zu nutzen, um in der Zeit die Haut aufzubauen. Diese Art der Kortisonbehandlung ist jedoch – wie bereits erwähnt – nur im akuten Fall empfehlenswert.
Grundsätzlich sollte man darauf achten, die Anwendung exakt nach den Vorgaben des Arztes durchzuführen, dies gilt insbesondere auch für die Einnahme von Kortison in Tablettenform. Die Wirkung dieser Präparate ist sehr stark, außerdem erfolgt ein massiver Eingriff in den Hormonhaushalt des Körpers. Etwaige Bedenken bezüglich der Dosis sollten daher bereits zu Beginn der Anwendung mit dem Arzt besprochen werden.
Neben der bereits erwähnten Verdünnung der Haut gibt es auch weitere Nebenwirkungen, die bei einer Behandlung mit Kortison auftreten können. Dazu gehören u. a. Gewichts-zunahme, Muskelschwäche, Knochenschwund und Nebenniereninsuffizienz. Da es sich hierbei um ernstzunehmende gesundheitliche Einschränkungen handelt, ist die Nutzen-Risiko-Abwägung bei der Anwendung von Kortison besonders schwierig. Aufgrund der u. U. sehr schnell einsetzenden Linderung starker Hautbeschwerden während eines Neurodermitis-Schubes sollte seine Anwendung jedoch nicht generell ausgeschlossen werden.


