Warum Kratzen den Juckreiz verringert
Heute möchte ich versuchen, eine Antwort auf folgende wichtige Frage zu geben: Warum kratzt man sich eigentlich, wenn es juckt? Jeder unter Neurodermitis leidende Patient weiß, dass Kratzen den Zustand der Haut noch verschlechtert, trotzdem ist es häufig so, dass es eine unmittelbare, vorübergehende „Entspannung“ verschafft. Der Grund dafür ist eigentlich recht simpel und einleuchtend: Der aus dem Kratzen resultierende Schmerz überlagert auf seinem Weg zum Gehirn den Juckreiz, so dass dieser für eine Weile nicht mehr wahrnehmbar ist. Problematisch dabei ist jedoch, dass das Schmerzempfinden nach einer gewissen Zeit nachlässt und der Juckreiz in der Folge wieder die Oberhand gewinnt. So entsteht der für Neurodermitis typische Teufelskreis, in dem sich Jucken und Kratzen gegenseitig steigern, bis es zu teils sehr unangenehmen Hautverletzungen kommt.
Die Ursache für die Überlagerung des Juckreizes durch den Kratzschmerz liegt innerhalb der Nervenzellen, die für die Reizübertragung zuständig sind. Da beide Signalarten im selben Teil der Nervenzelle entstehen, blockiert der stärkere Reiz den Signalweg und unterdrückt dadurch die Weiterleitung des jeweils schwächeren Reizes. Auslöser für das juckende Gefühl ist übrigens der Botenstoff Histamin, der sowohl in der Haut selbst als auch im Blut gebildet wird. Er beeinflusst die freien Nervenenden in der Haut. In aufgekratzten Arealen werden noch mehr Botenstoffe ausgeschüttet, die den Juckreiz zusätzlich verstärken. Derzeit arbeiten Forscher an der Entwicklung von Medikamenten und anderen Maßnahmen, welche die beschriebenen Prozesse unterbrechen und somit den Kratzzwang unterbinden könnten.


